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Globalisierung wäre ohne die Verbreitung von Kommunikationsmitteln gar nicht denkbar. In einer globalisierten Welt zu leben heißt, permanent zwischen Sprachen, Kulturen und sozialen Systemen zu wechseln und zu übersetzen. Überall entstehen heute neue Berufsfelder, Technologien und Systemlösungen, die an der Übersetzung und Vermittlung zwischen heterogenen Entitäten arbeiten. Das spricht dafür, dass das Übersetzen einerseits äußerst notwendig geworden ist, andererseits aber selten einfach ist oder auch nur reibungslos verläuft. Urs Wehrli und Nadja Sieger, besser bekannt als Kabarettduo Ursus & Nadeschkin, haben einmal in einem Interview gesagt, dass sie erst während der Mühen des Übersetzens ihres deutschsprachigen Programms für das englischsprachige Publikum verstanden hätten, worin ihre eigenen Pointen bestehen, und welche Elemente für die Komik der Szenen entscheidend sind. Erst die Notwendigkeit und der Akt des Übersetzens also lässt Gemeinsamkeiten und Differenzen hervortreten, ermöglicht einen distanzierten Blick auf das Alltägliche, lässt es fremd erscheinen, und erst dadurch reflektierbar werden.
Die Nullnummer von off topic ist den Praxen und Prozessen des Übersetzens gewidmet. Erstens, weil der künstlerische und kreative Umgang mit den Medien so zentral auf Übersetzungsvorgängen beruht, dass es kein besseres Thema für die Nullnummer einer Zeitschrift für Medienkunst geben könnte. Zweitens, weil sich vor dem Hintergrund der Globalisierung die Bedeutungen des Übersetzens vervielfältigt haben und die kulturelle Übersetzung als Migration von einem kulturellen Raum in einen anderen ins Zentrum des Interesses gerückt ist. Eine wichtige Frage ist dabei, welche Rolle die Medien innerhalb dieses großen Feldes der Politiken des Übersetzens spielen können oder sollen. Und drittens ist das gewählte Thema zugleich auch ein selbstreflexiver Widerhaken: Denn die Darstellung von prozessualen Praktiken der Medienkunst in einem Printmagazin ist an sich ein gewagtes Unterfangen, das als Übersetzungsleistung mit Kompromissen und Übersetzungsfehlern leben muss.
Im Zusammenhang mit den Medien ist der Begriff der Übermittlung oder Übertragung weitaus gebräuchlicher, mit dem die Betonung auf die funktionale und möglichst störungsfreie Verarbeitung von Informationen gelegt wird. In der Perspektive des Übersetzens dagegen treten die Differenzen, Widerstände und produktiven Abwandlungen in den Vordergrund, die Ausgangspunkt und Motor der kreativen Handlung sind. Von Übersetzen zu sprechen heißt, einzuräumen, dass es keine einfachen und reversiblen Lösungen der Übermittlung und Übertragung geben kann. Übersetzen ist immer eine Deplatzierung, ein Provisorium, eine zu rechtfertigende Bevorzugung einer Lösung vor ihren Alternativen. Das vorliegende Heft widmet sich in den Essays, den künstlerischen Beiträgen und den Forschungsberichten den unterschiedlichsten Praxen und Prozessen des Übersetzens und dem kreativen Potenzial, das in der geglückten oder gescheiterten Aneignung von Sprachen, Medien, Codes, Wissen oder Kulturen über Zeiten und Räume hinweg entsteht. Die Ausgangsidee für die Zeitschrift war es, Medienkunst in ihrer vielfältigen Praxis, in ihrer Forschung und in ihren theoretischen Bezügen regelmäßig darzustellen. Dafür haben wir sowohl eine Auswahl von Ereignissen und Aktivitäten an der Kunsthochschule fr Medien Köln ins Heft übersetzt, als auch externe Autoren um Beiträge gebeten. Die Nullnummer von off topic startet als Versuch, eine regelmäßig erscheinende und zeitnah berichtende Zeitschrift an der Kunsthochschule zu etablieren. Traduttore traditore. Wer übersetzt, verrät.
Die Redaktion